Trekking rund um die Annapurna in Nepal - Himalaya -
im Reich der höchsten Berge der Welt

Die Erlebnisse in Worte zu fassen ist schwer, ich habe vor in kurzen Episoden von dieser Zeit zu schreiben. Wir waren in einer kleinen Gruppe von 7 Leuten unterwegs, 15 Wandertage zwischen Bhulbule und Pokhara. Geführt von einem deutschen Reiseführer und einen nepalesischen Guide, sowie 4 Sherpas die unser Hauptgepäck tragen (pro Person 15 kg) und sich auch sonst um alles kümmern, von der Auswahl der Lodges bis zum Tee an den Tisch bringen.

 

Bei der Schreibweise der Ortsnamen nicht wundern – jedes Dorf hat gefühlt drei verschiedene Namen, und irgendwie klingt alles gleich. Außerdem gibt es leider immer noch wahnsinnig viele Analphabeten, überall wird Geld für Schulen gesammelt, so dass sich das hoffentlich in Zukunft bessern wird. Bei aller Professionalität im Tourismus - Nepal ist ein armes Entwicklungsland!

 

Tourverlauf:  Busfahrt Kathmandu-Besisahar und weiter zu Fuß nach Bhulbule. In Etappen von Bhulbule über Jagat, Daraphani, Chame, Pisang nach Manang.  Nach einem Akklimatisationstag weiter über Ledar, Thoranp Pedi, den Thorung La Pass (5416m) nach Muktinath und Marpha. Abseits der Rundtour besteigen wir den Dhampus Peak mit 6012m. Den Rest des Weges gehen wir von Kalo Pani über Tatopani und Ghorepani nach Pokhara. Gesamtstrecke ca. 280 km.

Tag 1 und 2:   Anreise von Deutschland nach Nepal

Flug, mit Türkish Airline, von Berlin Tegel – via Istanbul nach Kathmandu. Ankunft am frühen Morgen in Nepals Hauptstadt und Transfer zum Hotel im Stadtteil Thamel. Hier entspannen wir den ersten Tag in der Millionen Metropole und ruhen uns aus. Am späten Nachmittag haben wir ein erstes Treffen mit unserem Guide und anschließend ein gemeinsames Abendessen.

Tag 3:   Kathmandu – Stadtbesichtigung

Heute lernen wir Kathmandu kennen, vor allem nehmen wir einen kleinen Einblick in den Hinduismus und Buddhismus. Begleitet werden wir von unserem einheimischen Guide Dipesh.

Tag 4:   Kathmandu – Bhulbhule Trekkingbeginn

Los geht der Spaß mit einer zähen Busfahrt, die den halben Tag dauert. Es gibt dabei viel zu sehen, gegen den Staub sollte man einen Mundschutz tragen. Für die Strecke zwischen Kathmandu und Besisahar (200km) benötigen wir 7 Stunden. Hier angekommen schultern wir unsere Rucksäcke und starten langsam zu unserem ersten Ziel nach Bhulbhule. Das restliche Gepäck wird auf unsere vier Träger aufgeteilt, so dass jeder in etwa das gleiche Gewicht (30 kg) zu tragen hat.

Tag 5:   Etappe 1: Bhulbhule – Jagat (1300m)

Hier beginnt unsere Tour, Bhulbhule liegt auf 840 Metern Meereshöhe, wir wollen in ein paar Tagen einen Pass von 5416 m überqueren. Jeden Morgen, wenn wir losziehen, meist gegen 8 Uhr, lacht die Sonne von einem strahlendblauen Himmel hernieder, dann thronen die Berge und “Hügel” mächtig in der klaren Luft. Ein “Hügel” ist in Nepal eine Erhebung niedriger als 4000 Meter, er wird nicht ernst genommen, ist namenlos. Die einzelnen Wanderetappen sind kein Vergleich mit einer Bergtour in den Alpen, viel kürzer – meist sind wir gegen 15 Uhr in der Unterkunft, manchmal auch früher-, es ist selten wirklich steil, es gibt keine Kletter- oder Kraxelstellen, man braucht weder große Trittsicherheit noch Schwindelfreiheit.

Der erste Tag ist heiß, nicht lange, und man gerät ordentlich ins Schwitzen, obwohl der Weg fast eben durch das Tal führt, durch das der Marsyangdi-Fluss fließt. Rechts und links Reisfelder, Bambus wächst, alles strahlt üppig in unzähligen Grüntönen. Wir machen häufig Pausen – unser Guide möchte mit allen möglichen Bekannten plaudern, die er nicht mehr gesehen hat, seit er das letzte Mal hier vorbeigewandert ist. Wir sehen Kinder in Schuluniform, Menschen mit riesigen Büscheln Gras auf dem Rücken (Futter für die Tiere) und Büffel stehen am Wegesrand. In den Dörfern sitzen Leute am gemeinsamen Wasserhahn, spülen ihr Geschirr, waschen ihre Haare und immer wieder laufen Leute Zähne putzend durchs Dorf.

Gegen Mittag beginnt es zu regnen, die Sicht auf die Berge ist gleich Null. Später kommt die Sonne noch einmal durch und der Wind frischt auf.

Tag 6: Etappe 2: Jagat – Daraphani (1860m)

Die ganze Nacht hat es gerauscht – erst vom Regen, dann vom Wasserfall, der auf der anderen Seite des Tals nach unten donnert. Von den ersten 4 Wasserfällen der Tour habe ich noch Fotos gemacht, von den restlichen 378 dann nicht mehr ;-) Frühstück im Freien, Omelette gibt es meistens für mich, oder Apfelpfannkuchen, für kalte Morgen empfiehlt sich auch Apfel Porridge. Der Kaffee ist lösliche braune koffeinlose Plörre mit Milchpulver – aber morgens muss es sein, den restlichen Tag gibt es noch genug Tee und Wasser.

Die Landschaft auf der zweiten Etappe erinnert mich teilweise an Jurassic Park (grün, unberührt und scheinbar undurchdringlich). An anderer Stelle wird eine Straße (Schotterpiste) gebaut, Straßenbauer haben in Nepal die schlimmsten Jobs überhaupt, alles ist noch Handarbeit. Auf den fertigen Straßenabschnitten fahren Jeeps, wir sehen ca. 3 an diesem Tag. Ein weiteres Highlight, das (ohne Scheiß) sogar in der Landkarte verzeichnet ist: Mariuhana Pflanzen am Wegesrand.

Am Nachmittag geht es mal etwas steiler einen Hügel hinauf, man gelangt auf eine weite, wunderschöne Ebene mit Fluss und Wasserfall, dazu der Ort Tal mit bunten Häuschen, rechts und links eingerahmt von den Bergen. Tal ist das nepalesische Wort für See.

Durch unsere (ausnahmsweise wenig schöne) Unterkunft in Daraphani pfeift durch alle Ritzen der Wind. Heißer Tee hilft, Mütze aufsetzen und früh ins Bett gehen. Selten bin ich länger als 20 Uhr auf, schon ab 18 Uhr ist es stockdunkel, die Dörfer sind winzig und bieten null Unterhaltung. Die Müdigkeit lässt nicht lange auf sich warten.

Tag 7:   Etappe 3: Daraphani – Chame (2670m)

Gegen 6 Uhr am Morgen ist man wieder hellwach und bereit für eine neue Etappe. Entspannt, stresslos und offline. Schon vom Bett aus, durch das Fenster sehen wir schneebedeckte riesige Berge, den Manaslu, Lamjung Himal und unzählige Andere, auch immer wieder von unterwegs. Recht steil geht der Tag heute los, die Ansichten werden immer besser. Die Teepause wählen wir so, dass wir in der warmen Sonne sitzen und direkte Sicht zum Manaslu haben. Unser Guide wollte erst woanders hin, er hat den Berg halt schon öfter gesehen. Die Landschaft erinnert mich an Alaska, Nadelbäume, ein Hochplateau, umrahmt von Felsen und Hügeln, staubige Wege, strahlend klare Farben. Mittags wird es etwas wolkig und die Gipfel verschwinden dann meist, aber der Blick am Morgen ist immer gigantisch. Geckos sind die Begleiter unterwegs, sie sonnen sich auf den warmen Steinen. Am Nachmittag erreichen wir Chame. Mitten durch das Dorf tobt und rauscht ein wilder Fluss, eine Hängebrücke verbindet die beiden Ufer. In der Abendsonne schaue ich mir den Gipfel des Manaslu an.

Tag 8:   Etappe 4:  Chame – Pisang  (3300m)

Wie der Abend endet so beginnt der nächste Morgen, begeisterte Blicke zum 8000er. Apfelplantagen säumen heute unseren Weg. Die Annapurna-Runde ist berühmt für ihren leckeren Apfelkuchen und weil Sonntag ist, gibts beim Mittagessen ein Stück zum Nachtisch. Wir sind inzwischen über 3.000 Meter hoch, man merkt es beim Atmen, aber wir haben uns bereits an ein langsames, gemächliches Gehtempo gewöhnt und passen uns nun Höhen an, die höher sind als alles in Deutschland.

Die Felsen zu unserer rechten Seite sind speziell, sie scheinen spiegelglatt geschliffen, sind fantastisch geschwungen, erheben sich 1500m über uns und heißen Paungda Danda oder auch Swarga Dwar. Auch der über 6000 Meter hohe Pisang Peak ist immer mal zu sehen. Auf der staubigen Piste, die z.T. noch zur Schotterstraße ausgebaut wird, überholen uns Motorräder und Yaks. Die Sonne brennt ins Gesicht, im Schatten braucht man aber gleich eine Jacke. Die Luft ist von unglaublicher Klarheit, außer wenn gerade ein Motorrad alle Staubkörner der Umgebung aufgewirbelt hat.

Die Wanderung nach Upper Pisang ist etwas Besonderes. Oben befindet sich ein Kloster, von ein paar Häusern und Lodges umgeben, selbst im Dorf sind alle Wege steil. Das Kloster scheint schon fast im Himmel zu sein. Der Blick raubt einem den Atem. Das Annapurna-Massiv ist zum Greifen nahe und doch noch 4000m höher wie unser Standpunkt. Man findet kaum Worte um das alles zu beschreiben. Mit jedem Atemzug füllt sich der Körper mit Energie und Lebenskraft. Diese Energie braucht man für die nächsten Etappen, denn jetzt wird es ernst. Schließlich wollen wir in den nächsten Tagen noch 2000m höher steigen, über den Thorung La Pass, dem höchsten begehbaren Pass der Welt.

Unser Weg ist von einem Erdrutsch versperrt. Nur mühsam klettern wir über Bäume und Geröll um auf der anderen Seite weiter zu gehen. Den ganzen Tag wandert man langsam vor sich hin, ohne viel zu reden und horcht in sich hinein, ob es Anzeichen von Höhenkrankheit gibt. Freut sich über heißen Tee, fällt abends müde ins Bett und ist weit weit weg vom Alltag. Tage voller Superlative, für die es eigentlich keine Worte gibt.

Tag 9:   Etappe 5:  Pisang – Manang  (3540m)

Von Pisang nach Manang hat man zwei Möglichkeiten, den Höhenweg und den Talweg. Auf dem Talweg geht man flach, unspektakulär, Fluss und Straße folgend, den Blick nach oben gerichtet. Auf dem Höhenweg kommt man an einem der schönsten Orte dieser Welt vorbei, dem Dorf Ghyaru. Hierzu muss man von Pisang erst einmal relativ steil nach oben wandern, etwa 400 Höhenmeter. Es geht in staubigen Serpentinen sehr langsam nach oben, in Ghyaru sind wir schon über 3600 Meter. Aber die Ausblicke! Tief unter uns Fluss und Tal, über uns die Annapurna, der Pisang Peak, die Chulu Gipfel in klarem, strahlendem Sonnenlicht. Hübsche Dörfer, besonders Ghyaru, die Häuser aus unzähligen flachen, aufgeschichteten Steinen, unterwegs immer wieder Gebetsmühlen, Mani-Mauern aus mit Mantras bemalten Steinen, wir nähern uns Tibet, hier ist Buddhisten-Gebiet, nicht mehr so viele Hindus.

In Ghyaru muss man erst einmal Tee trinken, um zu verschnaufen. Aber auch um so lange wie möglich den Blick zu genießen, denn wahrscheinlich ist man genau 1 Mal im Leben hier. Ein Kloster ist direkt am Hang gebaut, ähnlich wie am Tag zuvor in Upper Pisang und das Annapurna-Massiv rankt gewaltig gegenüber, auch der Gangapurna strahlt herüber.

Recht bald muss man sich losreißen, denn die Etappe ist noch lang, der Talweg würde rund 3 Stunden weniger dauern. Ich kann jedem nur raten, den Höhenweg zu nehmen. Von Ghyaru geht es hauptsächlich eben am Hang entlang, ab und an noch ein wenig bergauf, es gibt wenig Schatten. Das fruchtbare Land ist der Wüste gewichen und die Landwirtschaft sieht äußerst beschwerlich aus. Buchweizen wächst hier zum Beispiel noch.

Im Laufe des Nachmittags kommt starker Wind auf, der den Staub des Weges durch und durch gehen lässt, egal welchen Mundschutz man trägt, irgendwann knirschen doch die Sandkörner zwischen den Zähnen. Gleichzeitig ist es immer noch heiß in der Sonne, dieser Tag geht jedoch an die Substanz.     Am späten Nachmittag erreichen wir Manang und unsere Lodge, wir beziehen ein schönes Zimmer. Das Essen hier ist ausgesprochen gut, ich glaube bisher immer noch zu zunehmen.

Tag 10:   Akklimatisationstag in Manang

Der Tag beginnt mit strahlend blauen Himmel und sobald ich die Umgebung von Manang im Morgenlicht sehe, ist alles gut, die Kulisse ist einfach der Hammer. In der Ebene grasen Yaks und rundherum sind hohe, wunderschöne Berge. Vom Gangapurna kalbt ein Gletscher in den See, Annapurna III und Tarke Kang lachen einen an. Der Akklimatisierung wegen bleiben wir für 2 Nächte in Manang und unternehmen tagsüber eine kleine Wanderung die Berge hinauf, um dann wieder unten zu schlafen. Ziel ist das „100-Rupien Kloster“. Die Behausung liegt auf 4000m. In einen Felsüberhang gebaut und nur mit einer Mauer gegen Wind und Wetter geschützt. Bewirtschaftet wird es in den Sommermonaten von einer 67-jährigen Nonne. Sie erteilt uns den Segen und eine erfolgreiche Tour.

Wenn man genug Zeit hat, sollte man unbedingt noch den Umweg zum Tilicho See machen, dem höchsten See der Welt (der Titicaca See in Bolivien ist der höchste schiffbare See der Welt!), wir hatten leider keine Zeit dafür.

Zurück im Tal nutzen wir die verbleibende Zeit für einen Streifzug durch die vielen kleinen Läden und Bäckereien. Eine hat es uns besonders angetan, in der warmen Nachmittagssonne nehmen wir Platz auf der Dachterrasse, trinken Kaffee und essen das ein oder andere Stück frischen Kuchen.

Tag 11:   Etappe 6:  Manang – Ledar  (4000m)

Die Tour geht weiter, wir gehen vorbei am Gangapurna See zum Chongar Viewpoint, nach oben, bis wir auf 3800 m sind. Der Blick auf die Annapurnas, einfach nur großartig und gehört zu den besten in ganz Nepal. Durch die langsame Gangart, die wir uns in den vergangenen Tagen angewöhnt haben, ist es zwar nicht übermäßig anstrengend, trotzdem sollte man in seinen Körper hören (Übelkeit und leichte Kopfschmerzen sind nicht ungewöhnlich in der Höhe). Der Himmel zieht sich zu, es wird empfindlich kühl und leichter Schneefall setzt ein. Schon 14.00 Uhr erreichen wir unser Tagesziel und nutzen den Rest des Tages für Ruhe und Erholung, die nächsten Tage werden es in sich haben.

Auch wenn das hier „nur“ eine Trekkingtour ist, so muss ich jetzt doch an die Katastrophe des vergangenen Jahres am Thorung La Pass denken. Ein plötzlicher Temperatursturz mit Schneesturm und Lawinenabgängen, ist mehreren Gruppen zum Verhängnis geworden. Über 80 Menschen konnten die Tour nicht mehr beenden, heute noch gelten Zahlreiche als verschollen.

Tag 12:   Etappe 7:  Ledar – Torung Phedi (Hochlager auf 4850m)

Wir wandern frühzeitig wie immer los, gegen kurz nach 8, also noch vor allen anderen Wanderern. Mit dem rechtzeitigen Abmarsch wollen wir sicher gehen, in Thorung Phedi (Highcamp) einen Schlafplatz zu bekommen. 

In der Nacht hat es in Strömen geregnet. Beim Aufwachen sind die Hügel ringsum leicht von Schnee überzuckert, auf den höheren Bergen liegt deutlich Neuschnee. Es ist bitterkalt beim Losgehen, der Weg liegt noch im Schatten. Die Kälte setzt dem Kopf arg zu, es ist ein unschöner Druck zu spüren, der normal ist in gewisser Stärke und durch Höhe und Kälte zustande kommt. Sobald uns die ersten Sonnenstrahlen erreichen, wird es richtig warm und mir geht es wieder gut. Regelmäßig kehren Leute um, weil es ihnen schlecht geht.

Gegen Mittag sind wir in Thorung Phedi auf 4020m, - Phedi bedeutet die Siedlung am Fuß des Berges, in diesem Fall des Thorung Berges. Viele Dörfer gibt es hier nicht, genauer gesagt gar keine. Die Gegend ist bekannt für die Yaks, nur leider bekommen wir kaum welche zu Gesicht. Nach einer Stärkung steigen wir auf zum Highcamp, welches wir am frühen Nachmittag erreichen. Hier auf 4850 Metern wollen wir übernachten. Die Lodge ist besser ausgestattet als gedacht, hier ist zwar das Ende der Welt, aber auch da kann man schlafen, essen und trinken. Es bleibt windig und kalt. Bis zum Abend füllt sich Lodge, wir sitzen eng aneinander. Die Gedanken sind schon am Throung La Pass und die Aufregung steigt. Alle sitzen noch lange in der warmen Lodge zusammen und reden über die bisherigen Erlebnisse und Eindrücke. Einige spielen Karten, andere reden über das bisher Erlebte auf dieser Tour. Keiner will so wirklich in die kalten Betten gehen, allerdings wird der Wecker um 4.00 Uhr klingeln, um 4.30 Uhr Frühstück, um 5.00 Uhr Abmarsch.

Tag 13:   Etappe 8:  Thorung Pedi – Thorung La Pass – Muktinath (3500m)

Die Nacht war sternenklar und eisig kalt, aber wir sind ja in einer Lodge und nicht im Zelt, so gibt es zumindest heiße Getränke und Porridge zum innerlich Aufwärmen. Wie gesagt 5 Uhr ist Abmarsch, beim Loswandern ist es noch stockdunkel, so kommen unsere Stirnlampen zum Einsatz. Den Hang hinauf zieht sich eine dünne Linie an kleinen Lichtern, wir reihen uns ein, kaum jemand redet, sofort geht es bergauf, nicht sehr steil, aber wir sind auf über 4.900m. Langsam, sehr langsam gehen wir, für mich zu langsam. Nach Rücksprache mit unserem Reiseleiter Massimo, bekomme ich grünes Licht und kann in meinem eigenen Tempo vorgehen. Die Morgensonne kommt hinter den Bergen hervor und schon wird es angenehm warm. Ab und zu stehen bleiben, eine getrocknete Aprikose essen und ein Schluck Tee nehmen. Man muss trinken, sonst besteht die Gefahr von einem Lungenödem.

Irgendwann ist es soweit, bunte Gebetsfahnen flattern im Wind, ca. eine Stunde vor unserer Gruppe bin am Thorung La Pass. Der höchste begehbare Pass der Welt, Fünftausenvierhundertsechzehn Meter. Wir treffen viele bekannte Gesichter, die uns in den letzten Tagen seit Aufbruch in Bhulbule und sogar im Bus aus Kathmandu begegnet sind. Allen scheint es gut zu gehen, emotional ist es, strahlende Gesichter. Es ist sonnig, keine Wolke, dafür Gipfel, Täler und Gletscher vom Feinsten. Die Annapurnas, der Gangapurna, Thorung Peak und auf der anderen Seite der Beginn des Königreiches Mustang und die Khali Ghandaki Schlucht.

Heute haben wir ein traumhaftes Wetter, so kann ich diese unfassbaren Ausblicke genießen. Ich kann mir nicht vorstellen, einen perfekteren Tag am Thorung La erleben zu können. Was ein Glück hier zu sein!  Wie schlimm muss es sein sich hier hoch zu quälen und dann Nebel, Wolken, Schnee zu haben.

Ganz wichtig: der Weg selber ist nicht schwer, man muss nicht klettern, es ist nicht ausgesetzt, der Weg immer gut erkennbar. Es kann hier oben immer Schnee liegen, dann ist es wohl etwas schwerer, aber auch dann gibt es eine Spur, für die die Yaks sorgen. Anstrengend ist die Tour durch die Höhe und es ist der 8. Wander-Tag, das darf man auch nicht unterschätzen, aber sie ist nicht kompliziert.

Was ein Glück kein Kopfweh zu haben, zu wissen, dass es jetzt bergab geht und die Gefahr der Höhenkrankheit nun mit jedem Schritt abnehmen wird. Den Rest des Tages geht es einfach nur bergab. Durch Stein und Staub, aufkommenden Wind, viel Sonne, über 1000 Meter bergab. Ein neuer 8000er kommt ins Blickfeld, der Dhaulagiri, weiß und gewaltig. Rechts geht es nach Mustang, ein noch sehr unerforschtes Gebiet, die Touristenzahlen sind limitiert, erst seit wenigen Jahren überhaupt für Besucher geöffnet. Ein Traum, vielleicht in den nächsten Jahren einmal zu realisieren.

Pause auf einer grünen, weichen Wiese, Appetit, Hunger und Durst sind zurück. Erleichterung, glückliche Gesichter bei allen, die gesund diese Wiese erreicht haben. Weiter bergab, irgendwann die ersten Häuser von Muktinath. In unserer Lodge gibt es eine heiße Dusche und richtigen Cappuccino! Und zur Feier des Tages einen Yak Burger und natürlich auch das ein oder andere Bier. Hier fahren Autos und man merkt erst jetzt wie das war die ganzen letzten Tage ohne Motorengeräusche!

Tag 14:   Etappe 9:  Muktinath-Marpha (2650m)

Die 9. Etappe sollte es in sich haben, die Strapazen des Vortages sind zu spüren. Langsam setzen wir unsere müden Glieder in Bewegung. Ein langer Weg liegt vor uns, immer wieder unterbrochen von vielen Pausen. Anfangs es geht noch gemütlich bergab, über schmale Pfade, schöner Aussicht, aber alles braungraugelbe Wüste. Kagbeni liegt unter uns, wie eine grüne Oase mit fruchtbaren Feldern. Irgendwann erreicht man die Straße. Es ist natürlich keine richtige Asphalt-Straße, eher eine Staub-Piste. Auf dieser fahren hauptsächlich Jeeps, ab und an Motorräder sowie Busse. In den Jeeps sitzen Inder, die alle zum Tempel nach Muktinath wollen, der sowohl für Hindus als auch Buddhisten ein wichtiges Heiligtum ist. Diese Inder interessieren sich nicht für Berge, nur für den Tempel, und geben einen Haufen Geld aus. Von daher ist die Straße wichtig, um diese Inder zum Tempel zu bringen. Mit Jeeps und Bussen können auch die Einheimischen besser ihre Waren (Äpfel zum Beispiel) in die Märkte größerer Orte bringen und verkaufen. Alle Waren sind schneller per Bus nach Muktinath und andere Orte transportiert als mit Eseln oder durch Menschen. Müde Wanderer können mal eine Etappe mit dem Bus abkürzen, die Straße hat durchaus ihre Vorteile.

Nur leider verläuft der Wanderweg an vielen Stellen auf dieser Staubpiste und alle paar Minuten möchte man sich in ein Mauseloch verkriechen, weil man von oben bis unten mit Staub eingesaut wird. Teils hat man schon den Wanderweg auf Pfade umgeleitet, aber über weite Strecken geht man eben auf der Straße.

Dazu kommt der Wind: man läuft durch das Kali-Gandaki Tal, die berühmte tiefste Schlucht der Welt, weil links die Annapurna steht (8091m) und rechts der Dhaulagiri (8167m) und tausende von Metern weiter unten fließt der Fluss durchs Tal. In ein paar Tagen erreichen wir Tatopani auf 1190 Metern!

Der Weg ist nicht sehr abwechslungsreich, zum Teil verläuft die Straße einfach gerade aus, durch das ausgetrocknete Flussbett. Der Wind bläßt in unser Gesicht und egal welchen Mundschutz man trägt oder ob man sich zur Seite dreht, wenn ein Fahrzeug kommt, hat man Sand zwischen den Zähnen.

In dieser Atmosphäre erreicht man Jomsom, für uns nur ein Zwischenstopp. Dieser Ort ist einfach der Horror, immer Wind, nur Wüste und kein grüner oder farbiger Fleck. Am Flughafen starten und landen nur frühmorgens Flugzeuge nach und aus Pokhara, noch bevor der Wind richtig startet.

Weiter geht es in dem Staub, und es macht einfach keinen Spaß. Die Etappe ist elendig lang bis Marpha und ich muss zugeben, dass ich froh bin, endlich anzukommen. Bis hierher zu gehen ist einfach keine gute Idee, man hat schließlich Urlaub und sollte das auch genießen!

Tag 15:   Etappe 10:  Marpha - Yellow Base Camp  (3900m)

Neuer Tag neues Glück. Marpha ist ein sehr hübsches Dorf, einige enge Straßen und Gassen, viele Lädchen mit etwas aufdringlichen Händlern, die alle das Gleiche verkaufen. Marpha ist zudem berühmt für Apfelkuchen und Apple Brandy – der im übrigen gleich schmeckt wie local wine.

Heute beginnt unser Aufstieg zum Dhampus Peak. Leider haben sich zwei Bergfreunde entschieden nicht mit aufsteigen zu wollen. Für alle anderen, uns fünf Bergfreeks, elf Sherpas, ein Koch und zwei Bergführer (insgesamt 19) geht der Weg über viele Serpentinen hinauf. Schon nach den ersten Pausen merke ich, dass ein Teil der neuen Träger wohl nicht fit genug sind. Wie ist es sonst zu erklären, dass sie ständig zurückbleiben, teilweise weit über eine Stunde hinter uns. Spät erreichen wir unser Zwischenlager und der auffrischende Wind erschwert extrem das Aufstellen der Zelte. Sobald die Sonne hinter den Bergen unter geht wird es empfindlich kalt und so kommt es, dass alle schnell in ihren Schlafsäcken sind.

Tag 16:   Etappe 11:  Yellow Base Camp – BC Dhampus Peak (Abbruch auf 5000m)

Ein frischer Morgen begrüßt uns mit der Botschaft, das Zwei weitere heute absteigen werden. Jetzt sind wir noch 3 Gipfelaspiranten die den weiteren Aufstieg zum Base Camp in Angriff nehmen. Bei gutem Wetter hätten wir die Riesen Annapurna I und Dhaulagiri sehen können. Ein weiteres Highlight der Tour liegt vor uns „die Besteigung des Dhampus Peak“, also das Equipment noch einmal überprüfen. Leider spielt das Wetter nicht mit und es zieht bald Nebel auf. Schon nach einer Stunde erreichen wir die Schneegrenze, dass macht das Ganze nicht einfacher. Die Sichtverhältnisse bei dem dichter werdenden Nebel sind schlecht, doch wir sind gewollt weiter aufzusteigen. Die beiden Bergführer sind ständig in unserer Nähe, nur hätte sich wohl einer der Beiden mal um die Träger kümmern sollen. Denn die machten uns jetzt ein Strich durch die Rechnung, in dem sie der Meinung sind nicht weiter zu gehen. Das ist für uns sprichwörtlich, ein Schlag in den Magen, denn ohne die Träger können wir nicht weiter. Es sind nur noch 150 Hm bis zum Highcamp, aber was solls, ohne Träger keine Zelte, keine Verpflegung und kein Gipfel. Nach einer gefühlten Ewigkeit des Wartens auf die Sherpas, und deren Meinung nicht weiter gehen zu wollen, haben wir uns entscheiden müssen wieder abzusteigen. Nur sind wir jetzt nicht dem Wunsch der Träger nachgekommen, ein Zwischenlager nochmal aufzuschlagen. Sondern haben uns jetzt auch durchgesetzt und sind abgestiegen zurück nach Marpha. Um wenigstens heute Abend in einem Bett zu schlafen und ein Frustbier trinken zu dürfen. Unverständlich war uns nur, dass es bei den Sherpas lange Gesichter gab, weil sie für eine nicht erbrachte Leistung kein Trinkgeld bekamen.

Tag 17:   Etappe 12:  Marpha – Kalo Pani  (1950m)

Über mehre Flüsse und Dörfer wandern wir heute in Richtung Kalo Pani. Der erste Teil der Strecke ist locker, Abseits der staubigen Straße auf schönen Pfaden, bei immer grüner werdender Vegetation. Auch der Wind ist nicht mehr so krass. Nach der Ankunft in unserer Lodge, setzen wir uns gemütlich mit unserer Begleitmannschaft zusammen, und feiern den Geburtstag von unserem Reiseführer.

Tag 18:   Etappe 13:  Kalo Pani – Tatopani  (1190m)

Beim Frühstück haben alle noch recht kleine Augen. Die Etappe wird nicht wirklich kürzer wenn wir länger sitzen, also bleibt uns nichts anderes übrig, wie los zu gehen. Mittagspause machen wir in einem kleinen Restaurant am tosenden Wasserfall, da hängt ein Schild mit “German Bakery”. Aber man weiß nicht, was man da eigentlich hingeschrieben hat, genauso wie keiner weiß, was “Free Wifi” heißt, auch wenn es groß auf Plakaten geschrieben steht.

Zum Glück endet die Etappe im Ort Tatopani. Pani heißt Wasser, Tato bedeutet heiß – Tatopani hat heiße Quellen. Das Ganze fließt in zwei ziemlich hässliche Betonbecken, wo alle Wanderer vor sich hin köcheln, denn das Wasser ist wirklich heiß. Das Schönste seit Tagen: eine Dusche danach mit wohltemperiertem Wasser. Selten war ich so froh, sauber zu werden und mich waschen zu können!

Tag 19:   Tatopani   Reservetag vom Berg

Tatopani ist ein schönes Dorf, überall Gärten und Blumen. In jeder Lodge gibt es eine Happy Hour.

Den Tag beginnen wir ruhig, die letzten Tage sind wir durchgewandert. Bei einem Spaziergang durch den Ort bleiben wir in einer kleinen Taverne und genehmigen uns ein kühles Bier. Wie plötzlich helle Aufregung unter der einheimischen Bevölkerung aufkommt, denken wir uns noch nichts dabei. Als jedoch 10 Minuten später erneut die Erde beginnt zu beben, wird uns klar, dass etwas Ungewöhnliches passiert sein muss. Erst jetzt erfahren wir von Dipesh, dass es in der Hauptstadt ein schweres Erdbeben gegeben hat. Später lesen wir im Internet von tausenden Opfern, von beschädigten, sogar zerstörten Gebäuden in Kathmandu und dem Everest-Gebiet. Aus der Heimat kommen Anrufe, wir können Entwarnung geben, uns geht es gut und wir sind weit entfernt von dem Epizentrum. Immer wieder sind leichte Nachbeben zu spüren, unsere Trekkingtour wird zur Nebensache. Wir denken jetzt in erster Linie an die betroffenen Menschen hier in Nepal und wie wir ihnen helfen können.

Tag 20:   Etappe 14:  Tatopani – Ghorepani

Steil, mit vielen Stufen und sehr lang, das ist die 14. Etappe. Wir sind abseits der Straße, weg aus der Wüstenähnlichen Landschaft. Weit über tausend Höhenmeter, bergauf und ab, haben wir zu überwinden. Besonders müde Wanderer können die Strecke mit einem Pferd zurücklegen. Die Berge hängen in den Wolken, es ist schwül-warm und rutschig. Zwischendurch fällt immer wieder Regen. Der Weg führt uns durch endlose Rhododendrenwälder, bis 10 Meter hohe blühende Bäume. Das alleine entschädigt schon, für diese anstrengende Etappe. Unser Tagesziel Ghorepani, erreichen wir in einem heftigen Graupelschauer.

Die Lodge ist sehr schön, das Zimmer gemütlich, es hat eine Steckdose, an der endlich mal alle Akkus nach Herzenslust aufgeladen werden können. Die Lodge hat eine heiße Dusche und sie serviert excellentes Essen, wie einen heißen Schokoladenpudding.

Tag 21:   Etappe 15:  Ghorepani – Pokhara

Bevor es zu langweilig wird, klingelt am Morgen der 15. Etappe wieder mal der Wecker um 4 Uhr. Unser erstes Ziel sollte Poon Hill sein auf 3210 Meter. Der Blick auf die Berge, mit dem mächtigen Dhaulagiri, Tukuche, Nilgiri, mit Annapurna South und Annapurna I, Hiunchuli und dem wunderschönen Machhapuchhare, dem heiligen Berg, bleibt uns vernebelt (Schade). So bleiben wir noch etwas ligen, aber bald rufen das Frühstück und die letzte Wanderetappe. Die Etappe ist wieder entspannt und geht nur bergab, durch Wald und Wiesen, Ziel ist Pokhara. Hier treffen einige Wege aufeinander, unter anderem geht zum Annapurna Basecamp. Viele Gruppen sind unterwegs, die kurze Touren unternehmen. Die letzten zwei Stunden fahren wir mit einem Kleinbus über Land und erreichen Pokhara am späten Nachmittag. Trotz aller Strapazen ist es ein wenig traurig zu wissen, dass am nächsten Tag die Tour vorbei ist.

Am Abend sitzen wir mit unserer Begleitmannschaft noch einmal gemütlich zusammen. Bei einem Abschiedsessen lassen wir die letzten Tage Revue passieren und bedanken uns ganz herzlich bei den Trägern und natürlich auch unserem Guide Dipesh. Wir wünschen ihnen für die nächste Zeit viel Kraft bei der Bewältigung der schlimmen Erdbebenkatastrophe und übergeben eine kleine Spende von uns.

Tag 22:   Pokhara

Pokhara ist die zweitgrößte Stadt Nepals und gut zum Relaxen nach einer langen Tour. Eine große Auswahl an Restaurants, Shops mit Souvenirs und mit Büchern, alle Männer gehen zum Barbier und lassen sich rasieren. Es gibt Wlan im Hotel und heißes Wasser, der Guide trägt plötzlich ein frisches Hemd, unfassbar. Noch eine Überraschung: ich sehe einen Menschen, der joggt. Und merke erst jetzt, dass ich seit Tagen keinen rennenden Menschen gesehen habe, alles ging langsam vor sich! Pokhara hat eine Promenade am See, mit typischen Backpacker-Cafes und Gartenrestaurants.

Tag 23:   Pokhara – Kathmandu

Wir verlassen das Annapurna Gebiet und fliegen zurück nach Kathmandu. Viele schöne Eindrücke und erlebnisreiche Tage liegen hinter uns. Noch wissen wir nicht, was uns in der Hauptstadt erwartet. Der Flughafen hat seinen Betrieb wieder aufgenommen und wir bekommen unsere Flüge für den morgigen Tag bestätigt. Es wird noch lange dauern bis Normalität in diesem armen Land zurück kehrt. Auch benötigt es eine große finanzielle Hilfe aus dem Ausland für das nepalesische Volk.

Trotz aller Umstände war es wieder eine schöne Tour.

 

Für mich steht heute schon fest, ich werde wiederkommen, wahrscheinlich schon im nächsten Jahr.